Glossar
Binäres Geschlechtersystem
Binarität bezeichnet im Bezug auf Geschlecht die Einteilung in zwei Kategorien: männlich und weiblich. Diese Einordnung wird anhand körperlicher Merkmale vorgenommen und wird gesellschaftlich häufig als Norm verstanden. Dabei wird vollständig ausgeblendet, dass geschlechtliche Vielfalt existiert, die über diese Zweiteilung hinausgeht. Eine binäre Aufteilung bildet die Vielfalt geschlechtlicher Realitäten daher nur unzureichend ab und ist historisch sowie kulturell nicht universell.
Gender
Gender bezeichnet das soziale Geschlecht. Es umfasst die Art und Weise, wie Geschlecht verstanden, erlebt, ausgedrückt und zugeordnet wird – unabhängig von biologischen Zuschreibungen. Gender ist damit nicht festgelegt, sondern entsteht im Zusammenspiel von Identität, sozialen Normen und gesellschaftlichen Erwartungen und kann vielfältig und wandelbar sein.
Genderfluidität
Genderfluidität beschreibt Geschlechtsidentitäten, die sich in Bewegung befinden und als veränderlich erlebt werden. Geschlecht wird dabei als wandelbar und nicht festgelegt verstanden.
Genderqueer
Genderqueere Menschen verorten sich jenseits, zwischen oder außerhalb binärer Geschlechterkategorien. Das kann bedeuten, dass ihr Geschlecht fließend ist, mehrere Geschlechter gleichzeitig umfasst oder sich bewusst keiner festen Kategorie zuordnen lässt. Genderqueer kann sowohl eine persönliche Identität als auch eine politische oder künstlerische Haltung sein, die gesellschaftliche Vorstellungen von Geschlecht hinterfragt.
Im Kontext von Theater und Performance - etwa bei genderqueeren Interpretationen von Figuren wie Hamlet - wird Geschlecht nicht als feststehende Eigenschaft verstanden. Stattdessen wird Geschlecht als etwas gesehen, das dargestellt, variiert und neu gedacht werden kann.
Patriarchat
Das Patriarchat bezeichnet eine gesellschaftliche Ordnung, in der Geschlecht und Macht entlang von Männlichkeit hierarchisch organisiert sind.
Patriarchale Strukturen prägen viele Bereiche des gesellschaftlichen Lebens und gehen mit der Ungleichbehandlung aufgrund von Geschlecht und Abweichungen von geschlechtlichen Normen einher. Sie tragen zur Stabilisierung misogyner Strukturen bei und begünstigen geschlechtsspezifische Ungleichheiten und Gewalt.
Der Begriff wurde im Kontext der Frauenbewegung des 20. Jahrhunderts geprägt. Patriarchale Machtverhältnisse sind historisch gewachsen und bis heute tief in gesellschaftlichen Normen und Alltagspraktiken verankert und oft auch unbewusst wirksam.
Queering / queeren
Queering beschreibt eine Praxis, die gesellschaftliche Normen hinterfragt und aufbricht, indem sie vermeintlich feste Kategorien sichtbar macht. Der Begriff entwickelte sich im Kontext der Queer-Theory seit den frühen 1990er-Jahren und wurde darauf aufbauend als analytische und künstlerische Methode verstanden. Queering bedeutet, Normen neu zu lesen, zu brechen oder anders zu erzählen.
Querness in Shakespeares Hamlet
Queere Zeitlichkeit
„Die Zeit ist aus den Fugen.“ dieser berühmte Satz aus Hamlet beschreibt mehr als nur eine gestörte Weltordnung. Die Literaturwissenschaftlerin Elizabeth Freeman liest ihn als Ausdruck von Queer Temporality: Lebensweisen, die sich nicht an linearen, gesellschaftlichen Erwartungen orientieren („Introduction: Queer Temporalities". GLQ: A Journal of Lesbian and Gay Studies, 13 (2007)). Hamlet selbst verkörpert eine solche Zeitlichkeit, seine Biografie und Zukunft entziehen sich klaren Strukturen und normativen Abläufen.
Binarität und identität
In Hamlet wird das binäre Geschlechtersystem unterlaufen. Literaturwissenschaftler wie Robert Ellrodt betonen, dass Hamlets Selbstreflexion jede eindeutige Festlegung unterläuft und sich einer klaren Bestimmung entzieht („Self-Consciousness in Montaigne and Shakespeare". In Shakespeare Survey, 28 (1975)). Inszenierungen, die Hamlets Geschlechtsidentität bewusst offen oder fluide gestalten, greifen daher eine Ambivalenz auf, die bereits im Text angelegt ist.
Weiterführende Links
Postkarten aus dem
Kriegstheater
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Meiner lieben sehr
verehrten Frau Schlick
zur freundlichen Erinnerung
gewidmet von
Bernhard Ehrlich
Rußland, Weihnachten 1917
Empfänger-Stempel:
Ernst Walter
Berlin-Steglitz
Poschinger-Strasse 16.
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L.[iebe] Mutti, l.[ieber] Dieker! Zunächst herzliche
Glückwünsche z.[um] neuen Jahr. Brief
habe erhalten, aber konnte Mai
nicht mehr erzielen, da Interessantes
kaum zu finden. Januar
könnte evtl. [unleserlich], aber
allerhöchstens 55. für Reimer
& Werner Bing ist nicht das geringste
zu machen. Denn hier liegt ja
so Vieles [unleserlich], wenn der Zufall
nicht noch was bringt, bin Anfang
Januar zurück. [unleserlich]
herzl.[ichst] [uleserlich] Bernhard
Empfänger:
Herrn
Ernst Walter
Berlin-Steglitz
Poschingerstr.
16
Poststempel:
1922
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Ernst Walter
Berlin-Steglitz
Poschinger-Strasse 16.
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Ernst Walter
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Ernst Walter
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Kuratiert und verfasst von Lilli Fischer in Zusammenarbeit mit Mia Pethes